Mario Ohoven sieht bei TTIP Verbesserungsbedarf

Der Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW) Mario Ohoven, mahnt beim geplanten Freihandelsabkommen TTIP Verbesserungsbedarf an. Ohoven, der auch dem TTIP-Beirat von Bundeswirtschaftsminister Siegmar Gabriel angehört, sieht in einzelnen Punkten des Abkommens erhebliche Risiken für mittelständische Unternehmen.

Freier und fairer Handel gewünscht

Der BVMW-Vorsitzende, der auch Vorsitzender von European Entrepreneurs, dem europäischen Mittelstands-Dachverband ist, sieht bei TTIP Mängel, die es zu beheben gilt. Hierzu zählen die Schiedsgerichtsverfahren, der geplante Regulationsrat, die sich ausschließenden Prinzipien von Vor- und Nachsorge und der Verbraucherschutz. Wie Mario Ohoven in einem Gastkommentar der Fuldaer Zeitung (Ausgabe 21. April 2015) erklärte, befürworte der Großteil der mittelständischen Unternehmen in Deutschland das geplante Freihandelsabkommen zwischen Europa und den USA. Allerdings, so der BVMW-Vorsitzende, dürfe der Handel nicht nur frei, sondern auch fair sein.

Hohe Schiedsgerichtskosten als Risiko für mittelständische Betriebe

Grundsätzlich hält Mario Ohoven Schiedsgerichte für eine sinnvolle Einrichtung. Derlei Verfahren hätten sich vor allem dort bewährt, wo wenig Rechtssicherheit herrsche. Dies treffe jedoch weder auf die USA noch die Staaten der Europäischen Union zu. Die Einführung des Investor-Staats-Schiedsverfahrens (ISDS) berge erhebliche Risiken für mittelständische Unternehmen, erklärte Ohoven. Außer dem Umstand, dass hier keinerlei Revisionsmöglichkeit bestehe, bemängelte er vor allem die hohen Verfahrenskosten. Die belaufen sich laut OECD auf fünf bis sechs Millionen Euro. Ein Betrag, den große Konzerne leicht verschmerzen können, der jedoch die finanziellen Möglichkeiten vieler Mittelständler übersteige.

Käme es zur Einführung von ISDS in seiner jetzigen Form, befürchtet Mario Ohoven eine Klagewelle von Seiten US-amerikanischer Investoren. Dies könnte sich auch negativ auf die Kreditwürdigkeit ganzer Länder auswirken, die hinsichtlich ihrer Bonität im Ranking herabgestuft werden könnten. Ohovens Kritik an der jetzigen TTIP-Fassung richtet sich auch gegen das Ausschlussprinzip der Vor- und Nachsorge in der Produktherstellung. Dies könne zu Lasten des Verbraucherschutzes gehen. Während hierzulande neue Produkte ausgiebig geprüft würden, ehe sie auf den Markt kämen, könnten amerikanische Produzenten ihre Waren gleich auf den Markt werfen und müssten erst reagieren, wenn Produktmängel auftauchten.

Wachsender Widerstand über Parteigrenzen hinweg

Auch in Hinblick auf die Einführung des Regulationsrats hegt Mario Ohoven Bedenken. Zwar hält es der BVMW-Vorsitzende für sinnvoll, Normungsprozesse frühzeitig abzustimmen, allerdings müsse das unter Einbeziehung der nationalen Parlamente sowie des europäischen Mittelstandes geschehen.

Mario Ohoven befürchtet, dass viele Politiker noch immer nicht die Tragweite begriffen haben, die mit TTIP verbunden ist. Er sieht allerdings auch, dass der Widerstand dagegen wächst. Inzwischen hätten sich über Parteigrenzen hinweg Zweckbündnisse gegen das geplante Abommen gebildet. Ohoven erwähnt in diesem Zusammenhang die Kooperation zwischen BVMW und Gewerkschaftsverbänden. Hiervon erhofft sich der BVMW-Vorsitzende ein verbessertes Freihandelsabkommen, das fair ist und dem Mittelstand von Nutzen ist, anstatt ihm zu schaden.

Keine Paralleljustiz, fordert Mario Ohoven

Das Magazin “ZEIT online” interviewte Ende März Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbands für mittelständische Wirtschaft, zum Thema TTIP.

Mittelständische Bedenken gegen das TTIP-Abkommen

Als Vertreter des Mittelstandes vertrat Mario Ohoven gegenüber dem Magazin die Bedenken, die im deutschen Mittelstand gegen das Freihandelsabkommen mit den USA geäußert wurden. An sich hat der Mittelstand nichts gegen das Abkommen. Man sieht beim derzeitigen Stand der Dinge aber auch gewisse Gefahren, die vor allem den Mittelstand betreffen würden. Privaten Schiedsgerichten oder Klagerechten ausländischer Investoren würde man gerne eine Absage erteilen, so Ohoven. Profitieren würden von solchen Regelungen ohnehin nur Großkonzerne. Der Mittelstand kann sich die Klagekosten aber überhaupt nicht leisten. Ohoven sieht außerdem mögliche Interessenkonflikte, weil die Richter in den privaten Schiedsgerichten manchmal auch als Anwälte arbeiten. Revisionsinstanzen gäbe es nicht. Die ergangenen Urteile könnten somit nicht angefochten werden, so Ohoven. Das größte Risiko bestünde laut Ohoven darin, dass potenziell Hunderttausende von amerikanischen Investoren europäische Unternehmen mit Schadensersatzklagen überziehen könnten. Das ist – wie Ohoven anmerkt – eine lukrative Möglichkeit für amerikanische Anwälte, um Geld zu verdienen. Daher rät Ohoven der EU-Kommission, die Idee solcher Gerichte fallenzulassen. Eine Paralleljustiz sei kontraproduktiv.

Ungleiche Wettbewerbsbedingungen

Auch den Verbraucherschutz sieht Ohoven wegen unterschiedlicher Systeme gefährdet. In Deutschland seien Produkttests aufwendiger als in den USA. Die Amerikaner hätten Wettbewerbsvorteile durch neue Produkte. US-Unternehmen beachten keinen vorbeugenden Verbraucherschutz. Verbraucher lancieren nachträglich Schadenersatzklagen. Das TTIP-Abkommen ginge daher in der bisherigen Planung zulasten der europäischen Verbraucher. Als Beispiel nennt Ohoven die Chemikalienverordnung “REACH”, der zufolge jede neu auf dem Markt verkaufte Substanz ausführlich getestet und dokumentiert werden müsse. In den USA seien alle vor 1976 hergestellten Chemikalien prüfungsfrei. In Europa sind die Zulassungskosten laut Ohoven wesentlich höher. Trotz dieser Bedenken müsse man kein genereller TTIP-Gegner sein. Man müsse aber die mittelstandsfeindlichen Elemente aus dem TTIP-Vertrag entfernen.

Anpassung der TTIP-Verträge möglich

Die Chancen für eine Anpassung der TTIP-Verträge zugunsten des Mittelstandes sieht Mario Ohoven als steigend an. Der Mittelstand erkenne mittlerweile, worum es bei TTIP geht. Je informierter die deutschen Mittelstands-Unternehmer seien, desto mehr Bedenken äußerten sie. Auch unter den europäischen Abgeordneten fände der Mittelstand bereits einige Verbündete. Es gäbe außerdem bereits EU-Regierungen, die das TTIP-Abkommen so nicht unterzeichnen möchten, sagte Mario Ohoven den “ZEIT online”. Ohoven sieht auch das CETA-Abkommen mit Kanada mit Sorge. Bisher hat die EU es nicht abgesegnet. Ohoven warnt, dass US-Unternehmen über kanadische Filialunternehmen eine Hintertür für Klagen gegen Deutschland bekämen.

Betriebsrente

Niedrige Zinsen führen beim Betriebsrenten-Management zu großen Belastungen für viele Unternehmen

Die betrieblichen Renten und Pensionen sind ein wichtiger Faktor für viele Arbeitnehmer bei der Ausgestaltung ihrer Altersversorgung. Zudem stellen Betriebsrenten gerade für viele mittelständische Personalentscheider ein attraktives Instrument dar, dem Fachkräftemangel zu begegnen. Wie der Präsident des BVMW (Bundesverbands mittelständische Wirtschaft), Mario Ohoven, betonte, seien Betriebsrenten gerade im Mittelstandsbereich ein wichtiger Anreiz für Fachkräfte, sich an ihren Betrieb gebunden zu fühlen. Die betriebliche Altersversorgung stellt aber in der aktuellen Niedrigzins-Phase auch eine erhebliche Mehrbelastung oder sogar ein Risiko für viele Betriebe dar.

Großunternehmen und mittelständische Betriebe müssen Rückstellungen erheblich aufstocken

Wegen der extrem gesunkenen Zinserträge der in der Regel als Betriebs-Pensionsfonds oder ähnliche Sondervermögen verwalteten Finanzen der betrieblichen Altersversorgung, müssen die Arbeitgeber zunehmend zusätzliche Kapitalmittel aufbringen, um ihren Verpflichtungen den Arbeitnehmern gegenüber nachkommen zu können. Durch diese unerwarteten Rückstellungen, die steuerrechtlich zudem mit 6 % abgezinst werden müssen, hat zum Beispiel Daimler seit dem Jahr 2010 etwa 7,5 Milliarden EUR zusätzlich zur Verfügung stellen müssen, um die Ansprüche der Versorgungs-Berechtigten solide absichern zu können. Beim Karlsruher Energieversorgungsunternehmen EnBW schlugen zusätzliche Rückstellungsanstrengungen zwischen 2010 und 2014 mit fast 2,5 Milliarden EUR zu Buche und Siemens musste seine Pensionsfonds allein im Jahr 2014 um 700 Millionen EUR aufstocken. Im Mittelstand, so Ohoven, belaufen sich die Pensionsverpflichtungen der Unternehmen aktuell auf 23 Milliarden EUR. Da die Pensionslasten wegen des extremen Zinsverfalls immer häufiger aus den Erträgen des laufenden Geschäfts finanziert werden müssten, wie der BVMW-Präsident ausführte, würden zwangsläufig die Ausgaben für notwendige Investitionen und Innovationen verringert. Diese Situation kann sich auf Dauer für zahlreiche Betriebe als existenzgefährdend auswirken.

Weniger Pensionszusagen

Als Reaktion auf diese Lage sind viele Unternehmen dazu übergangen, ihre Pensions-Zusage-Praxis zu verändern. Zum Teil wird ganz auf die Zusage von Betriebsrenten bei Neueinstellungen verzichtet. Häufig wird ein modifiziertes Angebot unterbreitet, das nach dem Beitrags-Prinzip organisiert ist. Dabei erhält der Arbeitnehmer nicht eine feste Versorgungszusage, die sich am letzten Gehalt orientiert. Stattdessen zahlt der Arbeitgeber einen Betrag X auf ein Vorsorgekonto ein. Nachteil für den Arbeitgeber bei dieser einer Lebensversicherung ähnelnden Lösung ist, dass er kaum noch seriös abschätzen kann, mit wie viel Geld er im Auszahlungsfall rechnen darf. Diese Umstellungen haben, soweit sie in bestehende betriebliche Altersversorgungssysteme eingriffen, in zahlreichen Fällen, so zum Beispiel bei IBM, zu durch die betroffenen Mitarbeiter ausgelösten Klagewellen vor den Arbeitsgerichten geführt.

DIE WELT von Mario Ohoven – Der Mittelstand

Der Mittelstand hat in Vergangenheit und Gegenwart entscheidend zum Wohlstand der Bundesrepublik Deutschland beigetragen und war auch während der jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise in Europa das Zugpferd der deutschen Wirtschaft. Der Mittelstand insgesamt ist in Deutschland der mit Abstand größte Arbeitgeber vor den Großkonzernen oder der Öffentlichen Hand. Die meisten Arbeitsplätze, die durch den Mittelstand geschaffen werden, sind in Deutschland und nicht rund um den Globus verteilt und auch ihre Steuern entrichten die mittelständischen Unternehmen in Deutschland.

Um über ein Sprachrohr in Politik und Gesellschaft zu verfügen, haben mittelständische Unternehmer den BVMW ins Leben gerufen.

Der BVMW

BVMW steht für “Bundesverband mittelständische Unternehmen”. Hierbei handelt es sich um den größten und einflussreichsten Zusammenschluss mittelständischer Unternehmer in Deutschland. Der BVMW verfolgt das Ziel politischer Einflussnahme für die berechtigten Anliegen des Mittelstands sowie das Ziel einer Information der Öffentlichkeit über diese Anliegen, um eine möglichst breite gesellschaftliche Akzeptanz zu erzeugen. Präsident des BVMW ist seit 1998 Mario Ohoven.

Mario Ohoven – Die Stimme des Mittelstands

Mario Ohoven wird zu Recht auch als “Die Stimme des Mittelstands” bezeichnet. Der Sohn einer Unternehmerfamilie ist selbst erfolgreicher Unternehmer und Anlageberater. Neben seinem Engagement im BVMV steht er auch noch dem CES-PMG vor, einem Dachverband europäischer Mittelstandsvereinigungen. Mario Ohoven hat zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen für sein unermüdliches Engagement für den deutschen Mittelstand erhalten. Privat ist er verheiratet mit der UNESCO-Sonderbotschafterin Ute Ohoven, die als Veranstalterin ungezählter Charity-Veranstaltungen zu den bekanntesten Personen überhaupt in Deutschland zählt. Das Paar hat zwei erwachsene Kinder.
Die eigentliche Welt des Mario Ohoven ist indes der Mittelstand.

Ein Leben für die mittelständische Wirtschaft

Seinem Engagement für die Belange der deutschen mittelständischen Wirtschaft ist ebenso vorbildlich wie beispiellos, wobei der Einsatz für eine funktionierende mittelständische Industrie einschließlich dem Versuch, die Politik hier beratend und mahnend zu begleiten, im Grunde ein Dienst an der gesamten Gesellschaft ist: Gerade in Zeiten der Globalisierung, in der Großkonzerne sich jeder Verantwortung für ihre Heimatländer entziehen, um lediglich Aktionären und Spekulanten zu dienen, bedarf es eines gesunden Mittelstands, um den Wohlstand in unserem Land zu sichern oder gar zu mehren.

Auch aktuell muss Mario Ohoven an vielen Fronten kämpfen, denn die Welt des Mittelstands ist in Gefahr. Das wenig durchdachte Mindestlohngesetz wie auch das Wahlgeschenk der vorgezogenen Rente stärken die Position des deutschen Mittelstands nicht gerade. Die größte Gefahr sieht die Stimme des Mittelstands indes im Freihandelsabkommen TTIP. Es bleibt zu hoffen, dass er sich hier in der Politik Gehör verschaffen kann.

Wunderbare Geldvermehrung

Die Wirtschaft – innerhalb der Europäischen Union – befindet sich seit Jahren im Stillstand. Kein Wunder, dass Experten nach Lösungen suchen, dass die Konjunktur endlich wieder angekurbelt wird. Eine Möglichkeit, welche nun das Problem lösen soll, ist die geplante Milliarden-Investition, die von Brüssel ausgehen soll. Doch auch wenn die Idee mitunter seine positiven Aspekte aufweist, tritt auch die Schattenseite des Projekts deutlich in den Vordergrund. Denn die Milliarden müssen erst mittels einer Kreditfinanzierung aufgenommen werden. Auch wenn (womöglich) die Wirtschaft angeregt wird, bleiben am Ende Rekordschulden, für die der Steuerzahler haften wird (oder muss).

Dasselbe Prinzip führte die DDR in den Verderb

Das Szenario ist nicht neu. Schon vor etlichen Jahren versuchte ein Staat einen leeren Geldsack mit Geldscheinen zu füllen, die aber nur im Rahmen einer Finanzierung entstanden sind. Der Staat, in welchem das Projekt umgesetzt wurde bzw. gescheitert ist, war die DDR. Heute ist die DDR ein Teil der Geschichte. Die Europäische Union begibt sich somit auf sehr dünnes Eis. Schlussendlich soll eine Summe aufgenommen werden, welche doppelt so hoch wie der EU-Haushalt ist. Juncker spricht von einem Paket, das 315 Milliarden Euro schwer ist. Doch damit diese Summe in jener Milliardenhöhe überhaupt aufgebracht werden kann, muss die Finanzierungskapazität auf über 63 Milliarden ausgeweitet werden. Auf Grund der Tatsache, dass in weiterer Folge weitere Anleger in das Projekt miteinbezogen werden, können die 315 Milliarden Euro – die es in Wahrheit nicht gibt – in die Wirtschaft gepumpt werden.

Juncker und Draghi – läuten sie die Wende ein?

Juncker will bis zum Jahr 2017 diese Summe aufbringen und die Konjunktur – innerhalb der Europäischen Union – ankurbeln. Aber Juncker ist nicht alleine mit seiner Idee. Schlussendlich hat es der Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, nicht anders gemacht. Auch dieser hat mit riskanten Methoden 1,4 Billionen Euro geschaffen bzw. möchte diese in die Wirtschaft investieren. Ganz egal, ob die Wirtschaft angekurbelt wird – am Ende haftet immer der Steuerzahler für jene Summen, welche die Konjunktur antreiben sollen. Somit bleibt am Ende nur die Hoffnung, dass das Projekt nicht die falsche Richtung einschlägt. In der DDR hat es nicht funktioniert. Wenn die Finanzspritze scheitert, wird die EU denselben Weg eingehen und in wenigen Jahren auch nur noch ein Teil der Geschichte sein.

Wohin geht die Reise 2015?

In einem Interview mit dem Fachmagazin business-on hat sich Mario Ohoven, Präsident des BVMW und des Europäischen Mittelstands-Dachverbandes zum Mindestlohn, zu Reformen für den Mittelstand, zur Energiewende und zum TTIP geäußert.

Mario Ohoven zum Mindestlohn

Zu den Konsequenzen des Mindestlohns für den Mittelstand inklusive der damit verbundenen Aufzeichnungspflichten sagte Mario Ohoven, die neue gesetzliche Regelung passe nicht zur mittelständisch geprägten deutschen Wirtschaft. Das begründete der BVMW-Präsident nicht nur mit den höheren Kosten und der Bürokratie, sondern auch neu installierten Haftungsketten. Mittelständler müssen sich nämlich von ihren Geschäftspartnern bestätigen lassen, dass diese auch den Mindestlohn zahlen. Er warf der Bundesregierung in diesem Zusammenhang große Praxisferne vor, die ebenfalls die eingeführten Dokumentationspflichten betreffe. Selbst das Bundesarbeitsministerium habe allein dadurch eine Mehrbelastung von 9,6 Milliarden Euro pro Jahr ermittelt. Der BVMW-Präsident Ohoven vermutet, dass sich der Mindestlohn mittel- und langfristig als Jobkiller erweisen werde. Vor allem lohnintensive Branchen und ostdeutsche Betriebe würden leiden und könnten umgehend zum Mittel des Jobabbaus greifen. Das belegen aktuelle Studien, die im Frühjahr 2015 eine um sechs Prozent gestiegene Bereitschaft gegenüber dem Herbst 2014 ermitteln, in ostdeutschen lohnintensiven Branchen Jobs abzubauen. Der Anteil der Unternehmen, die sich entsprechend positioniert haben, liegt nunmehr bei 52 Prozent.

Reformen, Energiewende und TTIP

Als wichtigstes Ziel für den Mittelstand bezeichnete Mario Ohoven die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit. Deutschland lebe schon zu lange von früher aufgebauter Substanz, die jedoch schwinde. Als Indikator nannte der Präsident des Mittelstandsverbandes den Kapitalstock als Summe der Produktionsanlagen, der in Deutschland zu langsam wachse. Auch die Lohnstückkosten seien zu stark – um 17,1 Prozent seit 2005 – gestiegen. Gleichzeitig sei der deutsche Anteil an der industriellen Wertschöpfung in der Welt von ehemals 9,2 Prozent auf nunmehr 6,3 Prozent gesunken. Nur echte Reformen könnten diesen Trend aufhalten, die auf eine Entlastung des Mittelstandes zielen müssten. Ein Mittel könnte die Steuerfreistellung von reinvestierten Gewinnen sein, ebenso eine Neueinführung der degressiven Abschreibung, die mittelstandsförderliche Gestaltung der Erbschaftsteuer sowie der Bürokratieabbau.

 

Zur Energiewende sagte er, die deutsche Industrie und das Gewerbe hätten bereits sehr viel in die Energieeffizienz investiert, nun sei die Bundesregierung gefordert. Als wesentlichen Punkt nannte Ohoven eine steuerliche Förderung bei der energetischen Gebäudesanierung. Zum Freihandelsabkommen TTIP positionierte sich der BVMW eindeutig: Handel müsse frei, aber auch fair sein, so Mario Ohoven. Hier seien beim geplanten Abkommen große Zweifel angebracht, deutschen Mittelständlern drohe im Zweifelsfall durch die geplanten Vereinbarungen die Insolvenz.

 

Die Mitgliedschaft im BVMW – für engagierte mittelständische Unternehmer in ganz Deutschland

Der BVMW – Bundesverband mittelständische Wirtschaft – ist eine bundesweite Gemeinschaft, die die Interessen mittelständischer Verbände und Unternehmer in Deutschland vertritt. Zu den Mitgliedern zählen inklusive vieler Partnerverbände über 150.000 Unternehmen mit circa 4,3 Millionen Mitarbeitern. Durch das Engagement des BVMW, der neben seinen Auslandsbüros Vertretungen in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen unterhält, kämpft für die Bedürfnisse mittelständischer Unternehmen aus Gewerbe und freien Berufen.

Mit 300 Geschäftsstellen bietet der BVMW ein Netz persönlicher Ansprechpartner in ganz Deutschland, wo Mitglieder persönliche Betreuung bekommen und von individuellen Problemlösungen profitieren. So haben mittelständische Unternehmen nahe Kontakte ohne aufwändige Bürokratie.

Auf über tausend Veranstaltungen und Seminaren, die jedes Jahr stattfinden, können Mitglieder Geschäftskontakte ausweiten und vom Knowhow sowie Informationen durch aktiven Austausch auf allen Verbandsebenen profitieren. Qualifizierte Berater im Beraternetzwerk Mittelstand leisten wertvolle Unterstützung bei unternehmerischen Entscheidungen wie zum Beispiel die Evaluierung mittelstandsgerechter Preise.

Zudem genießen Mitglieder des BVMW Zugriff auf Datenbanken und Recherchedienste, um Gerichtsurteile oder Formulardatenbanken einzusehen. Für rechtliche und betriebswirtschaftliche Anfragen ist der BVMW über zahlreiche Telefon- und Fax-Hotlines zu erreichen. Unternehmen, die in der Außenwirtschaft aktiv sind, profitieren von den zahlreichen Kooperationen mit Wirtschaftsverbänden und Einrichtungen in vielen Ländern weltweit.

Finanzielle Einsparungen entlasten die Unternehmer: Versicherungs- und Finanzdienste unterstützen Mitglieder, Kosten einzusparen und beraten bei der Verbesserung der privaten und betrieblichen Vorsorge. Zusätzlich gewähren BVMW-Kooperationspartner in den Bereichen Mobilfunk, Energie, Hotels, Bücher, Telekommunikation und Kraftstoff jedem BVMW-Mitglieds Einkaufs-Preisvorteile.

Für den Mittelstand spezifische Informationen wie die Wirtschaftsmagazine „Der Mittelstand“ und die „BVMW-News“ erhalten Mitglieder frei Haus geliefert und profitieren zusätzlich von aktuellen Informationen, die online unter www.bvmw.de bereitstehen.

Das Spektrum der Leistungen und Angebote für den mittelständischen Unternehmer in Deutschland ist vielfältig. Wer die Kontakte des BVMW nützen möchte, kann Kontakte in andere Bundesländer und Regionen, in die Außenwirtschaft oder zu Unternehmerpersönlichkeiten herstellen und aufbauen. Ob Wissensvermittlung oder neue Geschäftsideen kennenlernen, Experten- und Servicesysteme nutzen – jedes BVMW-Mitglied kann an Projekten wie zum Beispiel Netzwerk Bau & Energie, Stammtisch Metall, Mobil sein in Berlin und anderen teilhaben oder das Beraternetzwerk nutzen. Vorteilhaft ist es, die Finanzkompetenz des BVMW zu nutzen, um seine unternehmerische finanzielle Basis zu stärken, Beratung für Vorsorge, Anlagen einzuholen oder eine Unternehmensberatung durch geprüfte Experten zu bekommen.

In den Bereichen Innovation, Technologie und Umwelt, Recht, Betriebswirtschaft und der Außenwirtschaft mit weltweit agierenden BVMW-Kooperationsbüros werden den Mitgliedern des BVMW Beratung, Unterstützung und Netzwerke für erfolgreiches Unternehmertum in Deutschland offeriert.

Mit dem BVMW positiv in das neue Jahr starten

In diesem Jahr findet der vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) veranstaltete thüringische Neujahrsempfang im Atrium der Stadtwerke Erfurt statt. Wie in jedem Jahr wird er dabei wieder Schauplatz für Diskussionen und den Meinungsaustausch zu einer Vielzahl an politischen Themen, die gerade den Mittelstand bewegen. Besonders im Mittelpunkt werden dabei wahrscheinlich die Folgen des Mindestlohns, das geplante Bildungsfreistellungsgesetz sowie das Freihandelsabkommen von USA und der EU stehen.

Kosten, Bürokratie und der Mindestlohn hemmen den Mittelstand

Der Mittelstand leidet besonders unter steigenden Kosten, die unter anderem durch teurer werdende Energie und eine höhere Steuer- und Abgabenlast zu finanziellen Engpässen führen. Dazu kommen die neuen Regelungen bezüglich des Mindestlohns, die mehr Lohnkosten, einen höheren bürokratischen Aufwand, die steigende Gefahr von Schwarzarbeit und somit alles andere als eine wachsende Wirtschaft im Bereich des Mittelstands zur Folge haben. Zu hohe Kosten durch die Bürokratie bringt auch das geplante Bildungsfreistellungsgesetz mit sich. Hier versucht der Bundesverband mittelständische Wirtschaft durch seine Allianz mit über 30 Mitgliedsverbänden die Kräfte der ca. neun Millionen Beschäftigten in 275.000 Unternehmen zu bündeln und Gehör bei den Politikern zu finden, die für die Entscheidungen in diesen Bereichen verantwortlich sind. Gerald Bitterberg, Leiter der BVMW-Wirtschaftsregion Westthüringen, sieht darin einen großen Schritt dahin, dass zukünftig auch die Interessen der kleinen und mittelständischen Unternehmen beachtet werden. Das betrifft auch die TTIP-Verhandlungen in Bezug auf das anvisierte Freihandelsabkommen von USA und der EU, das in den wegfallenden Zöllen Vorteilen, in den geplanten Schiedsgerichtsvereinbarungen aber auch Nachteile für den Mittelstand mit sich bringen kann.

Positive Einschätzung und prominente Besucher für ein erfolgreiches Jahr

Trotz der bestehenden Probleme oder der die Wirtschaft hemmenden Faktoren sehen die deutschen Mittelständler positiv der Zukunft entgegen. Ungefähr die Hälfte erwartet dabei einen wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland. Für eine weitere Verbreitung der positiven Stimmung und für umfassende produktive Diskussionen werden bis zu 400 Unternehmen sowie zahlreiche Vertreter der Forschung und der Politik und Verwaltung auf dem Neujahrsempfang in Erfurt erwartet. Vervollständigt wird das Besucherfeld durch prominente Gäste, die nicht nur durch Gastreden auffallen, sondern auch für gemeinsame Diskussionen zur Verfügung stehen werden.

So wird mit Mario Ohoven der Präsident des Bundesverband mittelständische Wirtschaft genauso reden wie der thüringische Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft Wolfgang Tiefensee von der SPD. Ebenfalls von der SPD werden die parlamentarische Staatssekretärin im Bundes-Wirtschaftsministerium Iris Gleicke und der Oberbürgermeister von Erfurt Andreas Bausewein zu den Gästen zählen. neben reden und Diskussion bietet der Neujahrsempfang auch genügend Zeit zum Feiern und ungezwungenen Gedankenaustausch für einen guten und positiven Start in das neue Jahr.

Interview mit Mario Ohoven

Nur jeder dritte Deutsche zwischen 14 und 34 Jahren ist einer Studie zufolge bereit, sich als Unternehmer selbständig zu machen. Mario Ohoven, der Präsident des Bundesverbandes Mittelständische Wirtschaft (BVMW) spricht in einem Interview über die möglichen Gründe, warum es in Deutschland immer weniger Unternehmensgründer gibt. Das Interview wurde von Steffen Höhne geführt und ist am 16.12.14 in der Mitteldeutschen Zeitung erschienen.

Einen Grund für die mangelnde Bereitschaft, sich selbständig zu machen, sieht Mario Ohoven in den Rahmenbedingungen für eine Unternehmensgründung. Als Stichworte nennt er unter anderem Steuern, Abgaben und Energiekosten. Zwar würde die Unternehmensgründung durch öffentliche Fördermittel erleichtert, doch sei die Finanzierung durch Banken und Sparkassen schwierig; außerdem gebe es nur wenige Risikokapital-Geber.

Auch das Sicherheitsbedürfnis vieler Deutscher wird als möglicher Grund für abnehmende Unternehmensgründungen genannt. Demnach sei es für Fachkräfte heutzutage einfacher, eine gut bezahlte Stelle zu finden als das Risiko einer Unternehmensgründung einzugehen – vor allem angesichts des Fachkräftemangels in vielen Branchen. Zudem ist die Gründung eines eigenen Unternehmens oft auch mit einem gewissen, persönlichen Risiko verbunden, da man mit seinem Privatvermögen haftet.

Ein weiteres Thema ist die persönliche Einstellung vieler junger Deutscher. Laut aktuellen Umfragen räumen viele junge Menschen den Themen Familie und Freizeit höhere Priorität ein als der eigenen Karriere. Mario Ohoven weist jedoch darauf hin, dass das Streben nach Individualität das Unternehmertum erst attraktiv mache.

Mario Ohoven macht weiterhin auf das schlechte Image des Unternehmers aufmerksam. Unternehmer würden – zum Beispiel in bekannten Fernsehserien – häufig als raffgierige Menschen dargestellt werden. In anderen Ländern würden Unternehmer anders wahrgenommen und mehr wertgeschätzt werden als in Deutschland. Hierin sieht Mario Ohoven ebenfalls einen wichtigen Grund, warum die Quote an Unternehmern in anderen Ländern höher ist als in Deutschland. Um das Image von Unternehmern zu verbessern wünscht sich Ohoven, dass Wirtschaft als reguläres Schulfach etabliert wird. Es sei wichtig, volkswirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen, erklärt er.

Zuletzt spricht Mario Ohoven über die veränderten Führungsstile von heutigen Unternehmern im Gegensatz zu früheren Unternehmern: Früher habe sich ein Firmenchef in erster Linie um das Produktmanagement gekümmert, heutzutage müsse er jedoch immer mehr auf seine Mitarbeiter eingehen. Denn der Mitarbeiter könne nur dann die Leistung, die für den Erfolg eines Unternehmens erforderlich ist, bringen, wenn der Unternehmer die richtigen Rahmenbedingungen schafft.