Fachkräftemangel

Den allseits beklagten Fachkräftemangel in Deutschland könnten Unternehmen und Politik mit verschiedenen Maßnahmen beheben, die teilweise erkannt und angedacht, aber nur wenig konsequent umgesetzt werden. Das ist nicht durchweg ein deutsches Problem. Frankreich beispielsweise beklagt einen eklatanten Nachwuchsmangel an Facharbeitern, während sich die jungen Leute an der Sorbonne und anderen Universitäten tummeln – und hinterher arbeitslos werden. Doch Deutschland hat ganz eigene Probleme.

Nachwuchswerbung bei deutschen Jugendlichen

Im Jahr 2012 sank in Deutschland wieder die Zahl neuer Ausbildungsverträge unter die Bewerberzahl, gleichzeitig stieg die Zahl der unbesetzten Stellen auf ein neues Rekordhoch. Falsche Statistik? Ein Paradoxon? Beides greift zu kurz. Es haben sich statistisch auf die begehrten Ausbildungsplätze mehr Jugendliche beworben, als Ausbildungsverträge zur Verfügung standen. Auf wenig begehrte Stellen – Kellner und Köche, Metzger und Bäcker – bewarben sich zu wenig junge Leute. Ein weiteres Problem kommt hinzu: Einige auch der begehrteren Ausbildungsberufe aus dem IT-Bereich oder im gehobenen Handwerk (beispielsweise Automobilindustrie, Mess- und Regeltechnik) konnten nicht besetzt werden, weil die Qualifikation der Bewerber den Ausbildungsbetrieben nicht genügte. Sind deutsche Jugendliche nicht fähig, überschätzen sie sich oder sind die Anforderungen zu hoch? Es dürfte von allem etwas sein. Dabei bietet das duale Bildungssystem Deutschlands, international beobachtet und kopiert, beste Chancen auf die solideste Ausbildung überhaupt. Den Ausweg dürfte eine noch viel gezieltere Berufsberatung und auch Umwerbung der Schülerinnen und Schüler schon ab der fünften bis sechsten Klasse bieten.

Zuwanderung stockt

Auch die mangelnde Zahl von qualifizierten Zuwanderern verstärkt den Fachkräftemangel. Deutschland ist ein Einwanderungsland, aber kein Traumland. Die OECD ermittelte in einer Untersuchung aus dem Frühjahr 2013, dass eingewanderte Spanier und Griechen, die es eigentlich “nötig hätten”, im Durchschnitt kürzer als ein Jahr in Deutschland bleiben. Nur rund 40 Prozent aller Zuwanderer überstehen laut OECD ihr erstes deutsches Jahr und bleiben länger. Die Gründe: Junge Akademiker und hoch qualifizierte Facharbeiter können nicht integriert werden, weil sie selbst eigentlich nur kurz bleiben wollen und das beispielsweise durch Desinteresse an intensivem Deutschlernen auch demonstrieren, die Firmen wiederum diese Tendenz erkennen und sich ungenügend bemühen, den sehr gut ausgebildeten ausländischen Nachwuchs zu binden. Es wird zu wenig in deren Integration investiert, sie könnten ja bald wieder verschwunden sein. Das schafft eine Abwärtsspirale, die nicht zur Konsolidierung der deutsch-ausländischen Arbeitsbeziehungen führt. Hier müssten sich wohl beide Seiten mehr bemühen.

Wie ist die Situation für Schulabgänger auf dem Ausbildungsmarkt?

Grundsätzlich muss gesagt werden, dass die Situation für Schulabgänger auf dem Ausbildungsmarkt in Deutschland generell sehr gut ist. Denn der demografische Wandel und der Fachkräftemangel machen sich immer mehr bemerkbar.

Allerdings gilt das natürlich nicht für jeden Beruf und für jede Region. Außerdem kommt es natürlich auch auf die individuellen Voraussetzungen an. Denn viele Unternehmen beschweren sich darüber, dass die Schulabgänger zu schlecht ausgebildet seien. Auch wollen viele Schulabgänger lieber ein Studium machen.

Außerdem kommt hinzu, dass sich viele Schulabgänger auf nur wenige Ausbildungsberufe konzentrieren. So wollen viele Absolventen lieber kaufmännische als handwerkliche Berufe erlernen, obwohl man in einem handwerklichen Beruf unter Umständen genauso gut verdient wie in einem kaufmännischen. Besonders schwierig wird die Suche nach Azubis vor allem für Berufe mit ungewöhnlichen Anforderungen und Arbeitszeiten. So wollen viele Jugendliche zum Beispiel kein Bäcker oder Metzger werden, weil man in diesen Berufen früh aufstehen muss.

Aber auch bei den Studienangeboten gibt es Präferenzen. Auch hier scheinen die technischen Berufe eher unbeliebt zu sein. Deshalb ist in den nächsten Jahren damit zu rechnen, dass es zu wenig Ingenieure und Naturwissenschaftler geben wird. Andererseits sind vor allem die Studienfächer Jura und Wirtschaftswissenschaften sehr beliebt. Grundsätzlich muss aber auch weiterhin gelten, dass jeder die Ausbilddung machen sollte, die ihm Spaß macht.