Wirtschaftsweisen

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ist ein Gremium aus fünf Wirtschaftswissenschaftlern, das sich mit der Entwicklung Deutschlands aus wirtschaftlicher Sicht befasst. In den Medien wird der Rat üblicherweise als die fünf Wirtschaftsweisen bezeichnet. Die Mitglieder des Rates werden vom Bundespräsidenten berufen, der sich bei seiner Entscheidung von der Bundesregierung beraten lässt. Jedes Mitglied des Rates wird für fünf Jahre ernannt, kann aber im Anschluss erneut berufen werden. Die Berufungszeit endet am jeweils am 1. März eines Jahres.

Die Aufgabe der Wirtschaftsweisen ist es, in jedem Kalenderjahr ein Gutachten zu erstellen, das es den wirtschaftspolitischen verantwortlichen Personen des Landes sowie der Öffentlichkeit leichter macht, sich einen Überblick über die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland zu verschaffen. Dieses Gutachten muss der Bundesregierung bis zum 15. November jedes Jahres vorgelegt werden. In ihrem Jahreswirtschaftsbericht, den die Bundesregierung bis Ende Januar des folgenden Jahres erstellt, nimmt sie unter anderem Stellung zum Gutachten des Sachverständigenrates. Sollte es sich abzeichnen, dass in einzelnen Bereichen das Erreichen wirtschaftlicher Ziele gefährdet ist, so kann der Rat auf eigenes Bestreben hin ein Sondergutachten erstellen oder von der Bundesregierung damit beauftragt werden.

Seit März 2013 ist Christoph M. Schmidt der Vorsitzende der Wirtschaftsweisen. Der an der Ruhr-Universität Bochum lehrende Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung gehört dem Rat seit März 2009 an. Das dienstälteste Mitglied der Wirtschaftsweisen ist Peter Bofinger, der seit März 2004 dem Rat angehört und Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Würzburg ist. Er wurde auf Empfehlung der Gewerkschaften in den Rat berufen. Lars Feld, der Leiter des Freiburger Walter Eucken Instituts, gehört seit März 2011 zu den Wirtschaftsweisen. Er ist Professor für Wirtschaftspolitik an der Universität Freiburg. Die einzige Frau im Rat ist Claudia-Maria Buch, die dem Rat seit März 2012 angehört. Sie ist Professorin für Wirtschaftswissenschaft an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und steht dem Institut für Wirtschaftsforschung Halle als Leiterin vor. Seit März 2013 ist Volker Wieland einer der Wirtschaftsweisen. Er lehrt als Professor für Monetäre Ökonomie an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main.

Überschuldung in Deutschland

6,58 Millionen Deutsche sind derzeit überschuldet. Im Vergleich zum Vorjahr stagniert das Niveau der Überschuldung. Immer mehr werden Krankheiten und hohe Ausgaben für den privaten Konsum zu Ursachen des Problems.

Nach Angaben der renommierten Wirtschaftsauskunftei „Creditreform“ sind 6,81 Prozent der Erwachsenen in Deutschland wie auch im Vorjahreszeitraum auf längere Sicht nicht mehr in der Lage, die aufgelaufenen Außenstände auszugleichen.

Die Ursachen der Überschuldung

Nach Angaben der Wirtschaftsauskunftei sind Arbeitslosigkeit, Krankheit, Konsum, gescheiterte Selbstständigkeit und die vorherrschende familiäre Situation die Hauptursachen der Überschuldung bestimmter Teile der Bevölkerung. Weil sich die Wirtschaftslage innerhalb Deutschlands verbessert hat und die Zahl der Arbeitslosen kleiner wurde, hat die Beschäftigungslosigkeit als Ursache an Bedeutung verloren.

Weil die Gründerzahlen zurückgingen, ist auch die gescheiterte Selbstständigkeit weniger ursächlich. Krankheiten und zu hohe Konsumausgaben gewannen an Bedeutung, wie die Analysten der „Creditreform“ herausstellen. Damit ist die Kehrseite des deutschen Wirtschaftsaufschwungs benannt: Verbraucher trauen sich oft viel zu leicht die Finanzierung ihres anspruchsvollen Konsums zu.

Orte mit der höchsten Überschuldung

Große Städte nehmen die Spitzenplätze ein. Angeführt wird die traurige Liste von Bremerhaven. Hier sind 19,84 Prozent der volljährigen erwachsenen Bürger nicht mehr in der Lage, ihre Schulden zurückzahlen zu können. In Offenbach am Main sind es 18,61 Prozent, in Wuppertal 17,89 Prozent, in Pirmasens 17,73 Prozent und in der Saalestadt Halle 17,57 Prozent.

Die wenigsten Schuldner gibt es in durchweg fränkischen Kommunen. Die Überschuldungsquote von Eichstätt liegt bei 3,71 Prozent. In Erlangen-Höchstadt sind 4,63 Prozent und Schweinfurt 4,81 Prozent der Erwachsenen überschuldet.

Rückgang bei jungen Schuldnern

Bei jungen Leuten unter 20 Jahren sank die Zahl der Überschuldungen von 216 000 auf 213 000. Allerdings ist die erfreuliche Tatsache relativ: Denn das sind aktuell viermal so viel wie im Jahr 2004.

Im Segment der 20- bis 29-Jährigen war dagegen ein bedenklicher Anstieg der Überschuldungen festzustellen. Auf niedrigem Niveau stieg auch die Zahl der überschuldeten Über-70-Jährigen.