Folgen der Russland-Sanktionen für den deutschen Mittelstand

Im Juli verhängte die EU diverse Sanktionen gegen Russland, u.a. verbot sie den Export von Gütern, die neben dem zivilen Gebrauch auch für militärische Zwecke genutzt werden können. Auch technische Modernisierungen der Ölförderung fielen unter das Exportverbot. Russland antwortete daraufhin mit einem Importverbot für Lebensmittel.
Besonders den Mittelstand treffen die Russland-Sanktionen hart, da sie nicht die Möglichkeiten großer Unternehmen haben, geschäftlich auf andere Länder auszuweichen. Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft, warnte vor den “Bremswirkungen der Sanktionsspirale”. Hochspezialisierte Unternehmen mit starkem osteuropäischen Exportanteil werden damit, so auch Tobias Baumann, der für Russland verantwortliche Referatsleiter beim Deutschen Industrie- und Handelstag, wissentlich in Gefahr gebracht.
Bundeswirtschaftsminister Gabriel prüft nun potentielle Hilfsmaßnahmen für die Unternehmen, die durch die Sanktionen in Existenzschwierigkeiten gekommen sind oder noch kommen werden.
Gerade in den neuen Bundesländern ansässige Firmen, die durch die DDR Vergangenheit noch engere wirtschaftliche Kontakte mit Osteuropa pflegen und zum Teil 30 bis 50 Prozent ihres Geschäfts in Russland und der Ukraine abwickeln, trifft es besonders hart. Man fürchtet eine Umorientierung Russlands hin zu Handelspartnern, deren Länder nicht an den Sanktionen partizipierten. Tatsächlich weisen Firmen wie zum Beispiel die sächsische MWL Apparate Bau GmbH, die Druckbehälter für die chemische und petrochemische Industrie herstellt, bereits erhebliche Auftragseinbrüche auf. Da aufgrund der Sanktionen keine Garantie auf Lieferung potentieller Bestellungen möglich sei, bleiben diese von russischer Seite aus. Einzelne Unternehmen, etwa die Union Werkzeugmaschinen GmbH Chemnitz, haben als Folge der Krise und mangelnder Auftragslage bereits Kurzarbeit eingeführt.