Interview mit Mario Ohoven

Nur jeder dritte Deutsche zwischen 14 und 34 Jahren ist einer Studie zufolge bereit, sich als Unternehmer selbständig zu machen. Mario Ohoven, der Präsident des Bundesverbandes Mittelständische Wirtschaft (BVMW) spricht in einem Interview über die möglichen Gründe, warum es in Deutschland immer weniger Unternehmensgründer gibt. Das Interview wurde von Steffen Höhne geführt und ist am 16.12.14 in der Mitteldeutschen Zeitung erschienen.

Einen Grund für die mangelnde Bereitschaft, sich selbständig zu machen, sieht Mario Ohoven in den Rahmenbedingungen für eine Unternehmensgründung. Als Stichworte nennt er unter anderem Steuern, Abgaben und Energiekosten. Zwar würde die Unternehmensgründung durch öffentliche Fördermittel erleichtert, doch sei die Finanzierung durch Banken und Sparkassen schwierig; außerdem gebe es nur wenige Risikokapital-Geber.

Auch das Sicherheitsbedürfnis vieler Deutscher wird als möglicher Grund für abnehmende Unternehmensgründungen genannt. Demnach sei es für Fachkräfte heutzutage einfacher, eine gut bezahlte Stelle zu finden als das Risiko einer Unternehmensgründung einzugehen – vor allem angesichts des Fachkräftemangels in vielen Branchen. Zudem ist die Gründung eines eigenen Unternehmens oft auch mit einem gewissen, persönlichen Risiko verbunden, da man mit seinem Privatvermögen haftet.

Ein weiteres Thema ist die persönliche Einstellung vieler junger Deutscher. Laut aktuellen Umfragen räumen viele junge Menschen den Themen Familie und Freizeit höhere Priorität ein als der eigenen Karriere. Mario Ohoven weist jedoch darauf hin, dass das Streben nach Individualität das Unternehmertum erst attraktiv mache.

Mario Ohoven macht weiterhin auf das schlechte Image des Unternehmers aufmerksam. Unternehmer würden – zum Beispiel in bekannten Fernsehserien – häufig als raffgierige Menschen dargestellt werden. In anderen Ländern würden Unternehmer anders wahrgenommen und mehr wertgeschätzt werden als in Deutschland. Hierin sieht Mario Ohoven ebenfalls einen wichtigen Grund, warum die Quote an Unternehmern in anderen Ländern höher ist als in Deutschland. Um das Image von Unternehmern zu verbessern wünscht sich Ohoven, dass Wirtschaft als reguläres Schulfach etabliert wird. Es sei wichtig, volkswirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen, erklärt er.

Zuletzt spricht Mario Ohoven über die veränderten Führungsstile von heutigen Unternehmern im Gegensatz zu früheren Unternehmern: Früher habe sich ein Firmenchef in erster Linie um das Produktmanagement gekümmert, heutzutage müsse er jedoch immer mehr auf seine Mitarbeiter eingehen. Denn der Mitarbeiter könne nur dann die Leistung, die für den Erfolg eines Unternehmens erforderlich ist, bringen, wenn der Unternehmer die richtigen Rahmenbedingungen schafft.