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Betriebsrente

Niedrige Zinsen führen beim Betriebsrenten-Management zu großen Belastungen für viele Unternehmen

Die betrieblichen Renten und Pensionen sind ein wichtiger Faktor für viele Arbeitnehmer bei der Ausgestaltung ihrer Altersversorgung. Zudem stellen Betriebsrenten gerade für viele mittelständische Personalentscheider ein attraktives Instrument dar, dem Fachkräftemangel zu begegnen. Wie der Präsident des BVMW (Bundesverbands mittelständische Wirtschaft), Mario Ohoven, betonte, seien Betriebsrenten gerade im Mittelstandsbereich ein wichtiger Anreiz für Fachkräfte, sich an ihren Betrieb gebunden zu fühlen. Die betriebliche Altersversorgung stellt aber in der aktuellen Niedrigzins-Phase auch eine erhebliche Mehrbelastung oder sogar ein Risiko für viele Betriebe dar.

Großunternehmen und mittelständische Betriebe müssen Rückstellungen erheblich aufstocken

Wegen der extrem gesunkenen Zinserträge der in der Regel als Betriebs-Pensionsfonds oder ähnliche Sondervermögen verwalteten Finanzen der betrieblichen Altersversorgung, müssen die Arbeitgeber zunehmend zusätzliche Kapitalmittel aufbringen, um ihren Verpflichtungen den Arbeitnehmern gegenüber nachkommen zu können. Durch diese unerwarteten Rückstellungen, die steuerrechtlich zudem mit 6 % abgezinst werden müssen, hat zum Beispiel Daimler seit dem Jahr 2010 etwa 7,5 Milliarden EUR zusätzlich zur Verfügung stellen müssen, um die Ansprüche der Versorgungs-Berechtigten solide absichern zu können. Beim Karlsruher Energieversorgungsunternehmen EnBW schlugen zusätzliche Rückstellungsanstrengungen zwischen 2010 und 2014 mit fast 2,5 Milliarden EUR zu Buche und Siemens musste seine Pensionsfonds allein im Jahr 2014 um 700 Millionen EUR aufstocken. Im Mittelstand, so Ohoven, belaufen sich die Pensionsverpflichtungen der Unternehmen aktuell auf 23 Milliarden EUR. Da die Pensionslasten wegen des extremen Zinsverfalls immer häufiger aus den Erträgen des laufenden Geschäfts finanziert werden müssten, wie der BVMW-Präsident ausführte, würden zwangsläufig die Ausgaben für notwendige Investitionen und Innovationen verringert. Diese Situation kann sich auf Dauer für zahlreiche Betriebe als existenzgefährdend auswirken.

Weniger Pensionszusagen

Als Reaktion auf diese Lage sind viele Unternehmen dazu übergangen, ihre Pensions-Zusage-Praxis zu verändern. Zum Teil wird ganz auf die Zusage von Betriebsrenten bei Neueinstellungen verzichtet. Häufig wird ein modifiziertes Angebot unterbreitet, das nach dem Beitrags-Prinzip organisiert ist. Dabei erhält der Arbeitnehmer nicht eine feste Versorgungszusage, die sich am letzten Gehalt orientiert. Stattdessen zahlt der Arbeitgeber einen Betrag X auf ein Vorsorgekonto ein. Nachteil für den Arbeitgeber bei dieser einer Lebensversicherung ähnelnden Lösung ist, dass er kaum noch seriös abschätzen kann, mit wie viel Geld er im Auszahlungsfall rechnen darf. Diese Umstellungen haben, soweit sie in bestehende betriebliche Altersversorgungssysteme eingriffen, in zahlreichen Fällen, so zum Beispiel bei IBM, zu durch die betroffenen Mitarbeiter ausgelösten Klagewellen vor den Arbeitsgerichten geführt.